Podcast #1 – Radio der eingetretenen Zukunft

Unter Mitwirkung von:

Sprecherin: Helena Stössel
Sprecher, Spieluhr und Hupe: Steffen Schwendner
Konzeption und Schnitt: Clemens K. Thomas

Shownotes:

Weiterführende Links findet ihr hier:

Die nächste Folge…

Podcast #2 – Die Stimme aus dem Blumentopf

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Best of: Musik der Sowjetunion (1. Teil)

…von Ruslan Khazipov

Es ist ziemlich schwer, zehn treffende Werke aus der sowjetischen Zeit und dem großen Raum der sowjetischen Republiken auszuwählen, um eine volle Übersicht über die Musikwelt dieser Epoche zu schaffen: Die Breite der wunderbaren und hochwertigen Werke, die zumindest hörenswert sind, kann sich mit den Breiten Russlands messen, genauso wie die Maßstäbe schlechter und lebloser Musik nicht minder als die ganze Union der Sozialistischen Sowjetrepupliken zu sein scheint! Ich habe versucht, nur schöne, großartige, originelle und interessante Kompositionen auszusuchen, welche die Fähigkeit haben, ein Panorama der Richtungen und Leistungen der hier besprochene Epoche aufzuzeigen.

Ich habe auf Namen wie Schostakowitsch und Prokofiev verzichtet. Ich bin der Überzeugung, dass diese Namen so bekannt sind, dass fast jeder, der gerade diese Einleitung liest, bereits das Schaffen dieser Komponisten mehr oder minder kennt. Ist dies nicht der Fall, oder falls jemand seine Höreindrücke auffrischen will, kann ich gerne Links zur Musik von Schostakowitsch oder Prokofiev heraussuchen.

Die Reihenfolge der ausgewählten Werke ist nicht beliebig. Die Linksammlung erscheint in mehreren Etappen. Zum besseren Verständnis ist es sinnvoll, die Links in der von mir vorgeschlagenen Reihenfolge zu hören. (Ich bin aber auch dann schon froh, wenn mindestens ein Werk aus der folgenden Liste angehört wird…)

1. Popov – 1. Symphonie (1929-1932)

Die erste Symphonie von Popov vereint in sich fast alle Richtungen, Tendenzen und Traditionen der Sowjetischen Musik, die es gab und noch geben sollte. Hier findet man: einen Geist der Avantgarde, eine Fortsetzung der symphonischen europäischen Tradition (laut Yoffe sei diese Symphonie „ein verlorenes Bindeglied zwischen Mahler und Schostakowitsch“), einen Versuch – in dem Fall ist dieser Versuch vollkommen gelungen – eine neue, adäquate Sprache und Darstellung der neuen Realität zu schaffen. Vielleicht ist dieses Werk das Einzige, in dem man eine Quintessenz des Zeitgeistes sehen bzw. hören kann. Als Strafe für diese zu weitgehende und allsehende Offenbarung wurde Popov im Jahr 1935 nach der Erstaufführung verbal von den Ideologen zerquetscht. Seine Symphonie wurde verboten und nie mehr in der UdSSR aufgeführt (die zweite Aufführung wurde erst im Jahr 1989, in der Zeit des Umbruchs, aufgeführt und aufgenommen; diese Aufnahme benutze ich hier) – es ist das erste große Werk in der Reihe stummgemachter Musik der 30er Jahre (wie die Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ und die 4. Symphonie Schostakowitschs, die 2. Symphonie von Ljatoschinki usw.).

 

2. Roslawetz – Violinkonzert Nr. 1 (1925)

Roslawetz bezeichnet man oft als „russicher Schönberg“: Er suchte auch nach einem eigenen System und hat sich selbst nicht als Komponist bezeichnet, sondern als „Klangorganisator“. Aber noch mehr verbindet Roslawetz mit dem Schaffen von Alexander Skrjabins. Skrjabins Einfluss war damals enorm: Selbst in Popovs Symphonie kann man skrjabinsche Spuren finden (was kann man da aber nicht finden?). Wenn man in Roslawetz einen Skrjabinisten und Expressionisten sehen kann, ist seine Musik oft distanziert und wirkt fast akademisch im Sinne eines Brahms. Genau wie Brahms und Schönberg zeigt Roslawetz volkommenes kompositorisches Können und Meisterschaft, die mit einem bestimmten Mass Abstand zum Material einen etwas künstlichen Beigeschmack haben können. Wenn man in solchen Kategorien wie Meisterschaft und Können denkt, wäre es eigentlich nicht falsch zu sagen, dieses Violinkonzert sei mindestens auf dem Niveau Schönbergs, Bartoks, Prokofievs (der damals in Europa lebte und arbeitete) oder Szymanowskis Violinkonzerten.